Dienstag, 23. Juni 2009

Von Inflation keine Spur

Ökonomie. Es kommt nicht darauf an, wieviel Geld geschöpft wird, sondern wer darüber ­verfügt

Von Lucas Zeise
Geld ist ein gesellschaftliches Konstrukt: Sein wahrer Wert
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Geld ist ein gesellschaftliches Konstrukt: Sein wahrer Wert hängt vom Vertrauen des Publikums ab
Foto: AP
Obwohl in der aktuellen Krise die Inflation auf Null gefallen ist (genauer gesagt, der Preisindex des genormten Warenkorbs ist in diesem Mai keinen Deut höher gewesen als vor einem Jahr), ist die Furcht vor der Geldentwertung weit verbreitet. Das ist verständlich, denn wenn der Staat und seine Notenbank freizügig Milliardenbeträge unter Banken und Großkonzernen verteilen, kann man schon ins Grübeln kommen, was die ökonomischen Folgen dieser sensationellen Freigiebigkeit sind. Wenn die Zeitungen unwidersprochen schreiben, die Notenbanken ließen die Papiergelddruckpresse auf nie gekannten vollen Touren laufen, liegt die Vermutung nahe, daß der Überfluß an Papierschnipseln diese über kurz oder lang völlig wertlos machen muß.
Die Inflationsangst ist, was man nicht von allen Ängsten sagen kann, eine von rationalen Gründen getriebene Emotion. Denn schließlich ist das gute Geld, um das es sich bei dieser Angst dreht, eine politische Machtveranstaltung. Geld ist weder ein natürliches Ding, das sich wie Luft ziemlich häufig überall finden läßt, oder eines wie Wasser, Grund und Boden oder Bodenschätze, die mit großen Mühen in nutzbare Formen gebracht werden müssen. Es ist auch kein Produkt menschlicher Arbeit, das einen gewissen Gebrauchswert hat und hie und da einmal verkostet oder wie ein Chip in einem Computer, Auto oder Handy eingebaut werden kann. Es ist ein gesellschaftliches Konstrukt. Sein wahrer Wert hängt, wie Festredner gern zu Recht betonen, vom Vertrauen des Publikums ab. Gelegentlich hat das Publikum gute Gründe, kein Vertrauen mehr zu haben.