Sonntag, 19. Juli 2009

Souveräner Rentenstaat


Hintergrund: Zur politischen Ökonomie des Iran und seiner geostrategischen Bedeutung

Von Werner Ruf
Präsident Mahmud Ahmadinedschad: Niemand verkörpert
mo Präsident Mahmud Ahmadinedschad: Niemand verkörpert momentan die Interessen der iranischen Eliten von religiösen Führern und Clanoberhäuptern besser (Teheran, 25.2.2007)
Foto: AP
Iran ist ein Rentenstaat. Kurz auf den Punkt gebracht bedeutet dies: 1. Der weit überwiegende Teil des Staatseinkommens stammt aus relativ unproduktiver, auf den Export von Rohstoffen gerichtete Tätigkeit, die zwar Devisen ins Land bringt, aber keinen nennenswerten Mehrwert schafft. Typisch hierfür sind die Förderung und der Export von Öl und Erdgas.
2. Die Kontrolle der Renteneinkünfte und der mangels eigener wirtschaftlicher Entwicklung notwendigen Importe von Lebensmitteln und Konsumgütern stellt für die herrschenden Gruppen (»Staatsklasse«) die zentrale Quelle ihrer Bereicherung dar und sichert durch die Umverteilung eines Teils dieser Einkünfte in klientelistische Netzwerke die Macht der Herrschenden.
3. Da der Staat mittels dieser Einkünfte ein Minimum an sozialer Sicherung bieten kann, besteht kein Interesse am Aufbau einer auf Autarkie gerichteten Landwirtschaft und industriellen Produktion. Die Zementierung der Unterentwicklung ist geradezu die Rationale von Rentenökonomien.